Schlusspunkt oder Rauchpause - Irgendwann Nichtraucher werden

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Schlusspunkt oder Rauchpause

Verschiedenes
 
Schlusspunkt oder endlose Rauchpause?

Im Grunde halte ich nichts von der Interpretation des Schlusspunktes, dass man nach diesem Zeitpunkt sofort Nichtraucherin oder Nichtraucher sei.
Du kannst zwar einen Zeitpunkt festlegen, ab dem du nicht mehr rauchst, behältst aber dein ganzes Leben alle Eigenschaften, die es dir ermöglichen jederzeit wieder mit dem Rauchen anfangen zu können. 

Einen Schlusspunkt im Sinne einer Abgrenzung zur Vergangenheit und Zukunft gibt es damit eigentlich nicht. Ich möchte das am Beispiel von Kirk Douglas deutlich machen. Sein Sohn Michel erzählte einmal, sein Vater soll seine letzte Zigarette immer bei sich getragen haben. Immer wenn er rauchen wollte, habe er die Zigarette angeschaut und zu ihr gesagt: »Ich bin stärker als du.« In diesem Moment wurde ihm bewusst, dass er im Zustand eines endlosen Schlusspunkts lebt.
 
 
Das bedeutet, dass der Schlusspunkt nicht als ein nie mehr wiederkehrender Augenblick festgemacht werden kann, der nur einmal existiert und sich nie wiederholt. Ab deiner letzten Zigarette setzt du jeden Augenblick deines zukünftigen Lebens einen erneuten Schlusspunkt. Im Prinzip lebst du dadurch in einem Zustand der ständigen Rückfallgefahr. Die Folge ist ein zunächst monatelanger Kampf gegen das Rauchverlangen, worüber Hans-Peter in einem Beratungsgespräch so berichtete: »Die ersten Wochen nach dem Nichtraucher-Seminar waren die Hölle und die eineinhalb Jahre, in denen ich keine Zigarette anfasste, waren ein ständiger Kampf, den ich dann ja auch verloren habe.«
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Per Definition bedeutet ja Schlusspunkt das endgültige Ende von etwas. Wenn man also nach einem Schlusspunkt wieder mit dem Rauchen anfängt, ist man rückfällig geworden. Nun wird ein Rückfall allgemein mit mangelnder Willenskraft also Willensschwäche gleichgesetzt. Je nach Quelle liegt die Rückfallquote bei 50 - 80 Prozent. Darum bestehen gute Aussichten, eines Tages als willensschwach verurteilt zu werden. Dieses Urteil, ob wir es selbst über uns fällen oder andere, verursacht ein negatives Gefühl in uns.
Da wir unsere Entscheidungen zu fast 100 Prozent aus unserem Gefühl treffen und negative Gefühle vermeiden wollen, wird der Termin für den Schlusspunkt mehrfach verschoben oder erst gar nicht gesetzt. Möglicherweise ist dies auch für dich zutreffend.

Nehme dir eine Auszeit oder mach mal Pause!
Als ich mir überlegte, was ich über den Schlusspunkt schreiben könnte, fiel mir eine Begebenheit ein, welche ich vor einigen Jahren erlebte.
Beim Besuch einer Fachfortbildung traf ich einen Kollegen, den ich bereits einige Jahre nicht mehr gesehen hatte. Da ich wusste, dass er auch Raucher ist, habe ich ihn in der Pause angesprochen, ob er mit mir nach draußen gehen wolle, um zu rauchen, während wir uns unterhalten. Zu meiner Überraschung erklärte er mir, dass er bereits seit fast zwei Jahren nicht mehr rauchen würde. Auf meine Frage, wie und wodurch er es denn geschafft hätte, seinen Schlusspunkt zu setzen, sagte er mir, dass er keinen Schlusspunkt gesetzt hätte sondern nur eine Pause eingelegt habe, die jetzt eben fast zwei Jahre anhält. Er wisse zwar nicht, wie lange er sich diese Auszeit noch gönnt, aber zur Zeit habe er kein Bedürfnis wieder mit dem Rauchen anzufangen. Er komme aber gerne mit nach draußen, damit ich meinem Laster frönen könne. Ihn würde es nicht stören, wenn Raucher in seiner Nähe rauchten.

Es ist der Gedanke der Auszeit, der dir den Druck eines Schlusspunktes nehmen kann. 
Du kannst jederzeit entscheiden, wann du deine Rauchpause beenden willst. Dann wird es kein Rückfall sein, sondern eine freie und willentliche Entscheidung.
Fühle einmal in dich hinein. Was spürst du, wenn du an einen Schlusspunkt denkst und was wenn du daran denkst, dir einmal eine Auszeit zu nehmen?

Unvergessliche Beziehung
Sicher hast du schon einmal eine Beziehung beendet. Aber du kannst sie nicht endgültig vergessen, du kannst sie nicht aus deinem Gehirn löschen, niemand kann das.
Kurz nach der Beendigung der Beziehung tauchten häufig, ja täglich Erinnerungen an die beendete Verbindung auf. Gegenstände, Gerüche, Gelegenheiten Situationen weckten die Erinnerung.
Im Laufe der Zeit geschieht dies zwar immer seltener, doch in bestimmten Situationen sind sie wieder da, die Erinnerungen und Gefühle aus der Vergangenheit. Wie jetzt, während du diese Zeilen liest, denn ich gehe davon aus, dass du dich an irgendeine gelöste Beziehung aus deiner Vergangenheit erinnerst.
Wenn du deine letzte Zigarette vor deiner Auszeit geraucht hast, wirst du eine langjährige Beziehung beenden. Aber auch diese wirst du nicht vergessen, nicht endgültig auflösen können.


Anders als bei einer Trennung von einem Menschen, dem du ausweichen kannst, wirst dies bei den Zigaretten nicht möglich sein. An jeder Ecke hängt ein Zigarettenautomat, an jeder Supermarktkasse kannst du dir Zigaretten kaufen und in jeder Tankstelle blickst du sofort auf ein riesiges Regal voller Zigarettenpackungen.
Ständig wirst du an deine Sucht erinnert.
Du kannst nicht ausweichen.
Auch die vielen Gelegenheiten, bei denen du geraucht hast, werden dich täglich daran erinnern. Die Tasse Kaffe, eine Pause, Langeweile, Fernsehen und zahlreiche weitere »Rauchsignale« werden in dir das Bedürfnis nach einer Zigarette hervorrufen.
Es wird dir kaum helfen, wenn du versuchst, deinem Gehirn ein Denkverbot aufzuerlegen. Du kennst wahrscheinlich den Versuch, bei dem gesagt wird, man solle nicht an einen rosa Elefanten denken und man natürlich an einen rosa Elefanten denkt. So wirst auch du, wenn du nicht daran denken willst, rauchen zu wollen, prompt daran denken. Warum das so ist, wirst du später noch erfahren.

Zunächst möchte dir erzählen, wie es damals bei dem Seminar weiterging.
Da ich rauchen wollte, begleitete mich mein Kollege ins Freie.
Nachdem ich mir meine Zigarette angezündet hatte, stellte ich meinen Kollegen die Frage, wie er denn die erste Zeit mit seinem Verlangen umgegangen sei.
»Falls du auch einmal aufhören willst, kaufe dir noch eine Packung und lass sie geschlossen.«
Dann erzählte er mir die Geschichte von Kirk Douglas. Diese habe ihn dazu animiert, sich noch eine Packung zu kaufen, als er mit seiner Auszeit begann.
»Du kannst dir nicht vorstellen, wie sehr mir das geholfen hat, meine Panik zu beseitigen, die mich überfiel wenn ich keine Zigaretten hatte. Diese Packung war immer griffbereit in meiner Nähe. Ab da störte es mich nicht mehr, wenn ich an einem Automatern vorbei ging oder an der Tankstelle die Zigarettenwand sah. Ich musste mich ja nicht gegen die Versuchung wehren, mir Zigaretten kaufen zu wollen. Ich hatte ja welche«.
»Und hattest du keine Probleme damit, dass du jederzeit rauchen konntest, wenn dich ein Verlangen überfiel?«
»Dann dachte ich an Kirk Douglas aber vor allem daran, dass ich ja nur eine Pause mache, und stellte mir die Frage, ob ich dies jetzt beenden oder noch eine Stunde verlängern will. Mit der Zeit habe ich mir diese Frage immer seltener beantworten müssen.«
»Wie häufig stellst du dir die Frage jetzt noch?«
»Eigentlich überhaupt nicht mehr. An meinem 60. Geburtstag tauchte sie kurz einmal auf. Ich hatte während meiner Geburtstagsfeier wohl ein Glas zuviel getrunken, aber dann dachte ich, dass ich die Pause bis zu meinem 70. verlängern werde,« lachte er.
»Deine Idee werde ich übernehmen, wenn ich mit meiner Auszeit anfange«, antwortete ich und drückte meine Zigarette aus. Auf dem Weg zurück in den Seminarraum meinte mein Kollege, ich könne doch jetzt gleich einmal mit einer Auszeit oder Raucherpause beginnen. »Geht nicht«, lachte ich, meine Packung ist noch halb voll.«
»Dann schmeiß sie jetzt weg und hole dir dort am Zigarettenautomaten wieder eine, die du nicht öffnest«, antwortete er ernst.
Während des Seminars dachte ich an meine vielen vergeblichen Versuche und Absichten, nur noch die Zigaretten in der Packung aufzurauchen und dann aufzuhören.
Auf dem Nachhauseweg ärgerte ich mich darüber, dass ich wieder einmal eine Chance ungenutzt verstreichen lies. Ich hätte den Vorschlag meines Kollegen umsetzen sollen.

 
 
Trainingsvorschlag:
Nehme dir einmal bewusst eine terminoffene Auszeit. Diese kann einige Stunden anhalten, einen Tag, eine Woche oder auch länger. Dehne diese Auszeit nach und nach aus und automatisch wirst du im Laufe der Zeit in diesem Zustand bleiben.
Begrenze sie nicht sondern lasse das Ende offen.
Also z.B. nicht: »Ich werde jetzt eine Pause von zwei Stunden machen.« Dann wirst du ständig auf die Uhr sehen und dir bereits nach 110 Minuten eine Zigarette anstecken.
Natürlich nur dann, wenn es dir so ergeht wie mir.
Grenzenlose Pausen verlängern sich unbemerkt, denn Zeitgrenzen bestehen nur in unserem Bewusstsein.



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